Weihnachten naht…

Es ist nicht mal mehr ein Monat zu Heilig Abend und in unserer WG haben wir angefangen die schönen und z.T. kitschigen Weihnachtssachen von unseren Vorgängern aus den Kartons zu packen, um unsere Wohnung zu schmücken.

Auch in Periam wurden von den Kindern Vorbereitungen getroffen: den Brief an den Weihnachtsmann zu schreiben, denn die Post muss ja rechtzeitig „losgeschickt“ werden. Die Briefe haben auf der Vorderseite einen – meistens von mir aufgezeichneten und von den Kindern ausgemalten – Tannenbaum mit Geschenken oder ein großes Herz oder ein Rentier. Hier eine kurze Anleitung (nach meiner Chefin) zum richtigen Schreiben des Briefes: erst die Anrede „Draga Mosule“, dann Absatz und sich erst einmal vorstellen, wie man heißt und in welche Klasse man geht bzw. wie alt man ist, darauf folgt „Ich wünsche mir“ mit einer längeren Aufzählung von Wünschen und zum Abschluss „Vielen Dank“ plus Unterschrift. Die Wünsche der Kinder gehen von Hosen, neue Schuhe – Einer der kleineren Jungen wünscht sich ganz bestimmte Puma Schuhe. Er hat darauf bestanden, dass wir das in seinen Brief mit reinschreiben! 🙂 – eine Mütze, ein Paar Handschuhe oder ein neues Set an Filzstiften oder ein neues Federmäppchen aber auch eine Puppe oder ein Spielzeughund und was nicht fehlen darf: Süßigkeiten 😀 . Natürlich gibt es weiterhin sehr viele Hausaufgaben für die Kinder, sodass es so gut wie nie Pausen für sie gibt. Ich bin froh, dass wir bei den meisten von ihnen wenigstens die Zeit einrichten konnten, dass sie den Brief schreiben und verzieren konnten. Denn gleich nach dem Mittagessen müssen sie an die Hausaufgaben, damit sie rechtzeitig fertig sind um nach Hause gehen zu können. Immerhin haben wir beim Lösen der Hausaufgaben im Hintergrund rumänisch Weihnachtsmusik abgespielt und so ein bisschen Weihnachtsstimmung aufkommen lassen. Mit den Kindern am Vormittag konnten wir auch ein paar Weihnachtslieder singen und ich möchte mit ihnen noch „Oh Tannenbaum“ einstudieren. Ich bin da sehr optimistisch, denn die Kinder sind, was Musik betrifft, sehr begeisterungsfähig und singen tatkräftig (wie Kinder nun mal sind mehr laut als gefühlvoll 😉 ) mit. Hier ein paar Links zu rumänischer Weihnachtsmusik (die ersten beiden studieren wir gerade ein):

Außerdem wurde schon der Weihnachtsbaum von den zwei Köchinnen und meiner Betreuerin plus einen Referenten der MaZ, die gerade auf Besuch waren,  und mir geschmückt. Der Plastikbaum war am Ende mit sehr viel Lametta und weiterem goldenen Schmuck behängt, sodass er öfters umzukippen drohte. Das Problem wurde damit gelöst, dass man ihn zwischen zwei Blumentöpfe klemmte. Die Kinder und wir, die den Baum geschmückt haben, bewunderten das Ergebnis, das sich nach meiner Meinung wirklich sehen lassen kann.

Einer der Betreuer, welcher Roma ist, erzählte mir begeistert, dass er an Weihnachten wieder ein Schwein zu diesem besonderen Anlass – es gibt ca. 4 solche wichtige Anlässe in einem Jahr, erklärte er mir – schlachten wird und es damit ein Festessen geben wird. Seine Freude konnte ich dafür leider nicht so teilen. Es ist sicher ein großer Aufwand das frische Schweinefleisch zu zubereiten und damit zu kochen, wenn man noch bedenkt, dass keiner in seiner Gemeinde, die etwas abseits vom eigentlichen Gemeindekern Periams liegt, Gasleitungen hat und somit alles mit Holz geheizt werden muss…Und Gasleitungen sind sehr teuer, was sich keiner der dortigen von ihrem Einkommen leisten kann. Es gibt immer Sachen, wofür sie das Geld ausgeben müssen und somit nichts ansparen können. Zum Beispiel müssen die Eltern den Kindern am Schulanfang alle ihre Schulbücher kaufen plus Schulmaterialien usw. und das kostet einiges, da die meisten mindestens zwei Kinder haben.

Nun aber zum Frauenhaus: Dort habe ich erst letztens aus grünem Papier zwei große Weihnachtsbäume zusammengeklebt und die Kinder durften diese mit Glitzersteinchen und Papierkugeln und weiterem Schmuck bekleben. Beim zweiten Baum waren die Kinder schon unruhiger und es war dann ein ziemliches Chaos, die einen Kinder rannten hierhin, die anderen dorthin und man kümmerte sich nicht besonders um die Unordnung im Spielzimmer. Dieses Zimmer ist extra für die Kinder angelegt mit Schränken voller Spielzeug, Kuscheltieren und Puzzles. Ich machte soweit wie möglich Ordnung, obwohl es bis nächsten Freitag sicher nicht halten wird, und versprach den Kindern nächstes Mal mit ihnen Plätzchen zu backen. Denn zu Weihnachten gehören Plätzchen einfach dazu 😉 .

Noch eine kleine Geschichte, die ich im Zug zurück nach Timisoata erlebt habe: Der Schaffner war gerade auf dem Weg durch den Zug, um die Tickets zu kontrollieren. Einer der regelmäßigen Mitfahrer, den ich schon vom Sehen kannte und den der Schaffner besser zu kennen schien, hatte kein Ticket und vermutlich auch kein Geld für eines. Dafür holte er aber zwei Äpfel aus seinem Rucksack und gab sie dem Schaffner, der einen der Äpfel bei sich einsteckte und den anderen seiner Mit-Kontrolleurin gab. (Mit-Kontrolleure sind dafür zuständig, dass die Tickets abgestempelt oder mit einem Kugelschreiber abgehakt werden. Sie sind aber nur manchmal zusätzlich zum Schaffner dabei.) Mit dieser kleinen Gabe bezahlte er somit seine Zugfahrt, was ich als sehr freundlich von dem Schaffner und seiner Kollegin fand.

Ich hoffe bei Ihnen kommt auch schon allmählich Weihnachtsstimmung auf und bis bald 🙂

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